Er hat das Museum der KZ-Gedenkstätte Dachau aufgebaut, um das Leid der Verfolgten zu dokumentieren und das Vermächtnis der Mitgefangenen zu wahren.
Nach der »Machtergreifung«, nach dem Verbot der KPD und nach der anschließenden Verhaftungswelle bleiben er und seine Freunde zunächst unerkannt. Trotz drohender Verhaftung geben sie den Kampf gegen die Nationalsozialisten nicht auf. Im Untergrund gelingt es ihnen, mit Gleichgesinnten Kontakt aufzunehmen. Im Alter von 18 Jahren führt Kohlhofer eine Widerstandsgruppe in München- Neuhausen an. Die Flugblätter, die sie in Briefkästen einwerfen, auf Baustellen zurücklassen und in Telephonzellen hinterlegen, bekommen sie von Emigrantengruppen aus Prag zugeschickt. Zu den ersten Schriften, die sie verteilen, gehört der Bericht »Im Mörderlager Dachau«, den der Kommunist Hans Beimler nach seiner Flucht aus dem KZ Dachau verfaßt hat. Im Juli 1935 wird die Gruppe verhaftet. Kohlhofer erhält als Hauptangeklagter zweieinhalb Jahre Zuchthaus. Die Strafe verbüßt er in der Justizanstalt Amberg in Einzelhaft. Die Isolation bereitet ihm seelische Qualen, die sich auf seine Gesundheit auswirken. Später erkennt er, daß er ohne die harte Haft in Amberg die noch schlimmeren Leiden im Konzentrationslager nicht überstanden hätte.
Die Aussicht, nach dem Zuchthaus nicht in Freiheit entlassen, sondern direkt nach Dachau gebracht zu werden, hat ihn nicht erschreckt; denn er weiß, daß er dort die meisten Freunde und Gesinnungsgenossen wiedertrifft. So geschieht es denn auch, als er im Februar 1938 in Dachau ankommt. Dort ist er zunächst in einem Arbeitskommando beim Aufbau des neuen Lagers tätig. Die Solidarität der Mitgefangenen hilft ihm, die schwere Anfangszeit zu überstehen. Als im Spätsommer 1938 das neue Lager steht, erhält Kohlhofer ein leichteres Kommando als Maschinenschlosser in den »Sicherheitswerkstätten«. Später wartet er Instrumente im Krankenbau. Anläßlich des 50. Geburtstages von Hitler werden zahlreiche Freunde Kohlhofers aus der Haft entlassen; er jedoch bleibt im Lager zurück.
Im Herbst 1939 wird das KZ Dachau vorübergehend geräumt, um für die militärische Ausbildung der SS- Totenkopfdivision Platz zu machen. Die Häftlinge werden auf andere Lager verteilt, Kohlhofer kommt ins KZ Flossenbürg. Die Haft in diesem Lager bedeutet für Kohlhofer und seine Mitgefangenen die Hölle: Hunger und Kälte, Schinderei im Steinbruch unter dem Terror der SS und der kriminellen Capos. Als er im Februar 1940 nach Dachau zurückverlegt wird, ist er auf 43 Kilo abgemagert. In Dachau erlebt er, wie mit dem Vorrückenden der deutschen Truppen immer mehr Häftlinge aus Polen ins Lager gebracht werden. Die deutschen politischen Häftlinge betrachten es als ihre Aufgabe, den Neuankömmlingen die Angst vor den Deutschen zu nehmen und ihnen zu zeigen, daß sie auf ihre Unterstützung vertrauen können. Eine Gruppe von Helfern, zu der auch Kohlhofer gehört, entschließt sich, Polnisch und Russisch zu lernen. So schreibt Otto Kohlhofer während der Typhus-Quarantäne 1942/43 eine russische Grammatik ab. Er kümmert sich auch darum, daß die Geschwächten Zusatzrationen bekommen, die sonst nur an die Arbeitskommandos ausgeteilt werden. Kohlhofer beteiligt sich außerdem am Bau eines Radios zum Abhören der »Feindsender«. Die Sicherheitswerkstätten werden damit zur Informationszentrale. Die dort beschäftigten Handwerker kommen überall im Lager herum und geben die abgehörten Nachrichten weiter.
Im Jahre 1943 verzichtet Kohlhofer auf die relative Sicherheit seines Kommandos und meldet sich freiwillig ins Außenlager Kottern bei Kempten, wo die Messerschmitt AG einen Rüstungsbetrieb unterhält. Er weiß, daß in den Nebenlagern häufig brutale Häftlinge, die aus dem Hauptlager abgeschoben worden sind, die Schaltstellen in der Gefangenenverwaltung einnehmen. Kohlhofer ist fest entschlossen, in Kottern seinen Beitrag zur Verbesserung der dortigen Verhältnisse zu leisten. Es gelingt ihm, in eine Schlüsselstellung zu kommen, die es ihm ermöglicht, die Versorgung des Außenlagers mit Lebensmitteln im Auge zu behalten und Schiebereien zwischen Capos und der SS zu verhindern. Schließlich wird er dazu eingeteilt, unter Bewachung im Ort Milch abzuholen. Dabei lernt er seine spätere Frau Resi kennen. Noch während Otto Kohlhofer im Lager ist, beschließen die beiden, zu heiraten. Im Februar 1944 wird er überraschend nach Dachau zurückbeordert.
Wie zahlreiche Dachau-Häftlinge soll er zu einem »Bewährungsbataillon« an die Front gehen. Ein Posten hat Befehl, Kohlhofer zu seiner Einheit nach Olmütz zu begleiten, wo dieses »Himmelfahrtskommando« stationiert ist. Aber schon in Allach überredet Kohlhofer seinen Begleiter, ihn allein weiterziehen zu lassen. Er nutzt die Gelegenheit, nach zehn Jahren zum erstenmal heimlich seine Eltern in München wiederzusehen. Aus Angst vor Entdeckung verläßt er sie nach drei Tagen wieder und fährt weiter nach Olmütz. Wenige Wochen vor Kriegsende desertiert er und taucht bei Tschechen unter. Über Wien, Prag und Berlin kommt er im August 1945 endlich in München an. Auf seinen Irrwegen hat er mehrmals die Front zwischen 0st und West überschreiten und sich vor Deutschen, Russen und Amerikanern verstecken müssen. Im November 1945 heiraten Otto und Resi Kohlhofer; er ist 30, sie 20 Jahre alt.
Im Jahre 1946 bekommt Kohlhofer eine Stelle im bayerischen Landwirtschaftsministerium. Später beschreibt er, warum er damals eingestellt worden ist: In einer Rundfunksendung sei dem Landwirtschaftsminister vorgeworfen worden, daß er in seinem Haus keinen einzigen politischen Verfolgten beschäftige. Darauf erhalten fünf Bewerber aus den Reihen der NS-Verfolgten Gelegenheit, sich vorzustellen. Kohlhofer wird genommen, doch er fühlt sich in der Behörde stets als »Vorzeige-Häftling«. Bis zu seiner Pensionierung stellt er mit Genugtuung fest, daß er, der Kommunist, in einem bayerischen Ministerium beschäftigt ist. Die Zeit des Kalten Krieges läßt in Otto Kohlhofer alte Ängste wieder erwachen. Er und seine Frau leben in ständiger Furcht, erneut untertauchen zu müssen.
Kohlhofer ist maßgeblich an der Errichtung der KZ-Gedenkstätte beteiligt. Als einziger ehemaliger deutscher Häftling gehört er der vierköpfigen Arbeitsgruppe des Internationalen Dachau-Komitees an. Zwei Jahre ist er vom Landwirtschaftsministerium für diese Aufgabe teilweise freigestellt. Nach der Einweihung der Gedenkstätte zieht er sich aus der offiziellen Arbeit zurück. Das Gespräch mit der Jugend bleibt ihm immer wichtig. Er will ihr den »Geist der Lagerstraße« vermitteln, der im KZ Kommunisten und Priester, Sozialdemokraten und Konservative über alle Parteigrenzen hinweg zur Solidarität vereint hat. In den letzten Jahren seines Lebens engagiert er sich in der Friedensbewegung und vertritt die Verfolgten im Vorstand des »Fördervereins Internationale Jugendbegegnungsstätte«. Seine Aktivitäten gehören daneben auch dem Sport und seiner Hütte im Isartal, die er für die »Naturfreunde« bewirtschaftet. Mitten im Kreis von Freunden ereilt Otto Kohlhofer auf seiner Hütte ein Herzinfarkt; er stirbt am 14. August 1988 im Krankenhaus von Wolfratshausen.
Dokumentation: Angelika Pisarski